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Herzlich willkommen zu einer Reise durch das größte Ökosystem der Erde, zu einem verborgenen Reich der Dunkelheit, frostiger Kälte und unvorstellbarem Druck, das vor Leben voller Rätsel und Vielfalt überquillt.

 

Herzlich willkommen in der Tiefsee! CeDAMar (Census of the Diversity of Abyssal Marine Life, eine Volkszählung in den Tiefseebecken) leitet Sie die Kontinentalabhänge hinunter zu den scheinbar endlosen Weiten glatten Meeresbodens unter etwa 4000 bis 5000 Metern Wasser: den Tiefseebecken, unserem Untersuchungsgebiet. CeDAMar hat im Jahr 2000 begonnen, abyssale Becken zu erforschen, und wird dies noch bis 2010 tun.

Große Fragen

Dabei interessieren uns besonders zwei Dinge:

 

1)    Wie viele Arten gibt es, und wie sind sie verteilt? Wie groß ist das Gebiet, das eine Art bewohnen kann, und was bedeutet das für unsere Schätzungen über Artenreichtum in den Ozeanen der Welt?

2)    Wie entstehen neue Arten in einem Lebensraum, der uns so einförmig vorkommt über tausende von Kilometern? Ist noch etwas anderes wichtig? Entfernung vielleicht?

Erste Antworten

Inzwischen ist über die Hälfte der Zeit verstrichen, und mit den Erkenntnissen aus Probenuntersuchungen von mehr als zehn Seereisen im Atlantik, Pazifik, dem Indischen und Südlichen Ozean und dem Mittelmeer beginnen wir, Verteilungsmuster von Tiefsee-Organismen zu sehen und manchmal sogar ein kleines Schlaglicht auf ihre Biologie zu werfen. Dabei haben wir hunderte von noch nie zuvor gesehenen Arten gesammelt, von denen fast 200 schon beschrieben und mit Namen versehen sind. Das Bestimmen und Beschreiben von Tiefsee-Arten ist so sehr wichtig, weil in jeder Probe, die an einem beliebigen Ort in der Tiefsee genommen wird, mindestens die Hälfte aller Organismen noch nie vorher von irgendjemandem gesehen worden ist. Bis heute schwanken unsere Schätzungen über die Artenzahl in der Tiefsee zwischen 500.000 und 10 Millionen. Solch eine riesige Spanne weist schon darauf hin, dass wir zu Beginn der CeDAMar-Projekte eigentlich keine Ahnung hatten, weil wir uns auf ein untersuchtes Gebiet von der Größe einiger Fußballfelder verlassen mussten, um Angaben über die Hälfte der Erdoberfläche zu machen.

Schwierige Logik

Warum wissen wir so wenig über die Tiefsee? Der wichtigste, nur auf den ersten Blick oberflächlich scheinende Grund ist wohl, dass wir sie nicht sehen können. Sterne haben über Jahrtausende nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ganz gewöhnliche Menschen in ihren Bann gezogen, weil man ihre Schönheit in jeder klaren Nacht erleben kann. Sich dem Tiefseeboden zu nähern, um etwas über ihn herauszufinden, ist etwas ganz anderes.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie weit der Tiefseeboden von der Wasseroberfläche entfernt ist, auf der wir uns mit Schiffen bewegen können, sollte man einmal darüber nachdenken, wie lange man braucht, um vier oder fünf Kilometer (oder zwei bis drei Meilen) zu gehen- so ungefähr eine Stunde. Aber das ist noch nicht die einzige Entfernung, die es zu überwinden gilt.

 

Nicht nur die Wassertiefe muss überwunden werden, wenn wir eine Probe vom Tiefseeboden bekommen wollen, sondern auch die Entfernung vom Festland. Oft braucht ein Schiff mehrere Tage, um zu einem Untersuchungsgebiet in der Tiefsee zu gelangen. Die Schiffe müssen groß genug sein, um schlechtem Wetter auf dem offenen Meer zu widerstehen und genug Mannschaft und Wissenschaftler für das schwierige Arbeiten an Deck unterzubringen. Solche Schiffe sind natürlich sehr, sehr teuer. Ein Tag auf dem deutschen Forschungseisbrecher Polarstern kostet zum Beispiel 60.000 Euro! Zeit ist also ein kostbares Gut an Bord eines Forschungsschiffes, und nicht jeder Versuch, eine Probe zu bekommen, ist von Erfolg gekrönt. In der Tiefsee weiß ein Wissenschaftler oft erst nach acht oder gar zehn Stunden, ob er seine Probe bekommt oder nicht.

 

Es ist also nur sinnvoll, die Kräfte über Disziplinen und Nationalitäten hinweg zu bündeln.

Kostbare Proben

Weil die Daten, die CeDAMar liefert, weit über 2010 erhalten werden sollen, mussten wir uns auf einen Katalog von Standardmethoden einigen, damit unsere Kollegen und ihre Nachfolger noch einige Jahrzehnte lang unsere Daten als Bezugspunkt benutzen können. Dabei gab es vieles zu bedenken, immer mit dem Ziel vor Augen, nicht nur dafür zu sorgen, dass die Tiere die lange Reise durch die Wassersäule und die großen Unterschiede in Druck und Temperatur nach oben gut überstehen, sondern dass sie auch vom Sediment, in dem sie leben, so getrennt werden, dass zerbrechliche Anhänge und andere Merkmale, wie z.B. Farbe, nicht verlorengehen, die wir brauchen, um die Arten zu erkennen.

CeDAMar und Sie

Warum ist die Tiefsee so wichtig?

Erstens ist die Neugierde über den Planeten, der unsere Heimat ist, eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Es gibt noch so viel herauszubekommen!

 

Aber es gibt noch andere Gründe. Wir fangen gerade an, die Nutzung der Tiefsee für uns zu erkunden, und wir wollen versuchen, nicht dieselben Fehler zu machen, die uns manchmal bei der Nutzung von küstennahen Gewässern passiert sind. Die nachhaltige Nutzung und der wirkungsvolle Schutz der Ressource „Tiefsee“ erfordern Kenntnisse darüber, was in ihr lebt und wie die Organismen ihre Umgebung und einander beeinflussen.

 

Was kann CeDAMar für Sie tun?

 

 CeDAMar ist eines von mehreren Projekten, die die internationale und multidisziplinäre Zusammenarbeit der besten Wissenschaftler ihres Feldes fördern, um den größten Nutzen aus den teuren und schwierigen Expeditionen zu ziehen, die in der Regel von Ihnen allen bezahlt werden- durch Steuern oder private Zuwendungen.

 

Dieses Unterfangen hat eine sehr wichtige Komponente, ein Programm zur Öffentlichkeitsarbeit, zu dem auch diese Internetseite gehört. Hier können sie an unserer Arbeit teilnehmen, ob Sie einer der privilegierten Forscher sind oder nicht. Wir bringen die aufregende Welt der Tiefsee in Ihr Wohnzimmer. Wenn CeDAMar-Reisen stattfinden, können Sie uns, während wir arbeiten, durch Schiffstagebücher auf der eXpeditions-Seite folgen.

 

So hoffen wir, Sie nicht nur zu informieren, sondern vielleicht auch einige von Ihnen so zu begeistern, dass Sie selber gerne Tiefseeforscher werden möchten, ganz besonders auf dem Gebiet der Taxonomie oder Systematik, das ist die Kunst des Bestimmens von Arten, neue Arten zu beschreiben und herauszufinden, wie sie untereinander vewandt sein mögen

 

CeDAMar ist ein Feldprojekt des Census of Marine Life. Der Census of Marine Life ist ein wachsendes globales Netzwerk von Wissenschaftlern aus über 70 Nationen, die an einer zehnjährigen Initiative teilnehmen, um die Vielfalt, Verteilung und Menge des Lebens im Meer zu erfassen und zu erklären – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

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