BIOZAIRE hat die Erforschung jener benthischen Tiefsee-Gemeinschaften zum Ziel, die unter dem Einfluß des Congo-Canyons (früher: Zaire-Canyon) stehen.
Projektleiter: Myriam Sibuet, Institut Océanographique, Paris, Joëlle Galéron, Ifremer, Plouzané
 Das Programm wird durchgeführt im Rahmen einer technischen uns wissenschaftlichen Kooperation zwischen Total und Ifremer, und es hat Untersuchungen von benthischen Lebensgemeinschaften und den wichtigsten physikalischen und chemischen Eigenschaften ihres Lebensraumes im Golf von Guinea vor dem Äquatorialen Westafrika zum Thema.
Das Untersuchungsgebiet ist gekennzeichnet durch sehr unterschiedliche Umweltbedingungen, die insbesondere von einem der weltweit größten und aktivsten untermeerischen Canyons beeinflusst werden, dem Congo Canyon/Kanalsystem, das sich vom Congo-Angola-Kontinentalrand 760 km nach Westen bis zur abyssalen Ebene in 4900 m Tiefe erstreckt. Vom Congo-Kanal ist bekannt, dass er über Stofflüsse, die bis in 4800 m Tiefe beobachtet wurden, riesige Mengen von Partikeln transportiert, die vom Kontinent stammen.
In 4000 m Tiefe können die aktivsten Stoffflüsse die Flanken des Kanals übertreten und die Umgebung über einige Kilometer beeinflussen, indem sie innerhalb weniger Tage große Mengen von terrestrischem organischem Material zum Meeresboden transportieren und den jährlichen Eintrag von organischen Partikeln in die oberen Schichten des Sediments verdoppeln.
Was die Ökosysteme betrifft, die auf Detritus basieren, wollen wir durch Biozaire die Dynamik des Nährstoffeintrags, seine Ursprünge und seinen Einfluss auf die Artenvielfalt der benthischen Lebensgemeinschaften an 4 Stationen besser verstehen. Zwei Stationen (1350 und 4000 m tief) mit pelagischem und kontinentalem Eintrag, eine (4000 m) unter dem Einfluss des Congo-Canyons, und einer letzten (3500 m) in der Umgebung einer kalten Methanquelle.
Zwei weitere Gebiete mit chemosynthetischen Ökosystemen, in 800 und 3500 m Tiefe, werden untersucht und ihre Beziehung zu den anderen Ökosystemen erforscht.
Viele Typen von Geräten werden eingesetzt, um Informationen über Umweltfaktoren und benthische Lebensgemeinschaften zu erhalten. Dazu gehört auch der französische Roboter «Victor», mit dem man mit großer Genauigkeit am Meeresboden arbeiten kann.
Ein Workshop fand im Juni 2006 in Brest statt, um Ergebnisse vorzustellen und zu diskutieren, die von den teilnehmenden Wissenschaftlern erzielt worden waren. Diese Ergebnisse werden 2008 in einem speziellen Band der Zeitschrift Deep-Sea Research veröffentlicht.Die Untersuchung der benthischen Lebensgemeinschaften an zwei Stationen in 4000 m Tiefe, eine in der Nähe des Congo-Channels und unter dem Einfluss seiner Aktivitäten, und die andere südöstlich davon, 150 km entfernt und außerhalb des Einflusses der Stoffflüsse, ergab Unterschiede in der Struktur der Lebensgemeinschaften in drei Größenklassen (Megafauna, Makrofauna und Meiofauna).Die Megafauna reagierte anscheinend auf höheren Eintrag in der Nähe des Congo-Channels durch erhöhte Dichte, während die Dichten der Makro- und Meiofauna von anderen Faktoren abzuhängen schienen, da ihre Dichte an beiden Stationen gleich hoch oder sogar höher an der vom Kanal entfernten Station war.Zeitliche Schwankungen spiegelten sich wider in Organismendichte, taxonomischer Zusammensetzung und der vertikalen Verbreitung an beiden Stationen, was vermuten lässt, dass andere Faktoren außerhalb der Einflusszone des Kanals eine Rolle spielen, besonders im Zusammenhang mit Nährstoffeintrag. Eine der Besonderheiten während dieses Projekts war das Vorkommen von einigen Arten der Megafauna, die eigentlich nur in Gegenwart von Methan oder Sulfidengefunden werden, an beiden Stationen (z.B. Vesicomya sp. Und Acharax sp.), während Makro- und Meiofauna aussahen wie typische abyssale Weichbodengemeinschaften.
Die Diversität und Komplexität der tiefen Sediment-Gemeinschaften im Golf von Guinea sind vermutlich beeinflusst von der Vielfalt verschiedener Umweltparameter wie zum Beispiel der Herkunft von organischem Material, das die Gemeinschaften ernährt (pelagisch oder terrestrisch, durch den Congo-Kanal oder entlang dem Kontinentalabhang), die Menge und Art des Nährstoffeintrages (unregelmäßige und umfangreiche Einträge), und damit verbundenen Störungen. Weiterhin ist diese Komplexität noch verstärkt durch das sporadische Auftauchen von chemosynthetischen Prozessen, die wahrscheinlich mit fossilen Kanälen in einem großen Gebiet rund um den heutigen Congo-Kanal zu tun haben.
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